Brombeeren pflücken

Was ich beim Brombeer-Pflücken gelernt habe

Blackberry_fruits12-smvon Tanis Helliwell

„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit…“... Kohelet 3,1-8 

Der Herbst kommt und der Sommer vergeht. Das ist die Zeit, wenn die Brombeeren reifen, bereit zum Essen und bereit, gepflückt zu werden. In Powell River, wo ich wohne, ist eine ganze Woche dem Brombeer-Festival gewidmet, und Restaurants und Bäckereien suchen, sich gegenseitig mit Brombeerspezialitäten zu übertreffen. Brombeersaft, Brombeermarmelade, Brombeercocktails, -plätzchen, -crepes und -kuchen werden zubereitet und mit Vergnügen verspeist. Freitag Abend ist die Hauptstraße gesperrt, damit die Leute umherwandern können und die Brombeer-Ernte mit alten und neuen Freunden feiern können. Es ist so viel los im Zusammenhang mit Brombeeren, dass ich mich an all das erinnert habe, was Brombeeren mich gelehrt haben, und ich habe mir gedacht, ich gebe diese Überlegungen an euch weiter.

Habt Geduld, während ihr auf die Ernte wartet

Ich habe mich nun seit Monaten auf die Brombeer-Ernte vorbereitet. Den ganzen Sommer über habe ich die übereifrigen Büsche, die in meinen Garten eingedrungen sind, zurück geschnitten. Ich habe das Aufblühen der Blüten beobachtet und gesehen, wie die ersten Früchte erschienen, erst weiß, dann rot und jetzt purpur-schwarz. Vor einer Woche, als die Brombeeren dunkler wurden, habe ich gedacht, sie sind soweit. Eifrig fing ich an, sie zu pflücken, nur um herauszufinden, dass ich die Beeren von ihren Stielen reißen musste und sie dann auch noch sauer waren. In dem Moment erkannte ich, dass ich die Beeren nicht drängen konnte.

Wie oft im Leben versuchen wir, unsere eigene Ernte zu überstürzen? Nach viel harter Arbeit kommt unser Ziel in Sicht und schon wollen wir es ‚jetzt’ haben. Doch wir müssen der Natur ihre Zeit lassen und beherzigen, was die altnordischen Runensteine sagen: „Du musst dem Willen des Himmels folgen“. Wir werden wissen, wann die Zeit reif ist, denn die Früchte unserer Arbeit werden wie die Beeren süß in unsere Hände fallen.

Müht euch nicht zu sehr ab. Pflückt die niedrig hängenden Früchte

Es wäre schön, wenn sich alle Brombeeren an Zweigen befänden, die sich nicht mehr als etwa anderthalb Meter über dem Boden ausbreiten, aber ich habe festgestellt, dass dies nicht der Fall ist. Oft entdecke ich, nachdem ich eine Frucht in meiner Reichweite gepflückt habe, herrliche Beeren nur ein paar Zentimeter weiter oben auf dem Ast. Auf Zehenspitzen stehend strecke ich mich hinauf und lange nach ein paar Beeren, nur um gleich darauf von welchen verspottet zu werden, die sich gerade noch ein wenig weiter oben zur Schau stellen. Ein paar Mal habe ich den Fehler gemacht, mich um solche Beeren außer Reichweite zu bemühen, habe den Halt verloren und bin in die Brombeersträucher gefallen. Ganz eindeutig unerfreulich.

Jetzt bin ich zufrieden damit, meinen Korb mit tief hängenden Früchten zu füllen und den Rest der Beeren den Vögeln und den 1,80 m großen Gästen zu überlassen. Mir ist klar geworden, dass es immer noch eine weitere Beere gibt, die uns in Versuchung führt. Fortgesetzt danach zu streben, ‚alle zu bekommen’, ist nichts als Gier und führt zu beständigem Unglück. Seien wir ehrlich, wir werden nie alle Beeren bekommen.

Die süßesten Beeren sind oft nicht die Schönsten

Auf der Suche nach perfekten Beeren habe ich entdeckt, dass oft gerade die leicht überreifen die köstlichsten sind. Die in unseren Augen ‚vollkommene’ Beere ist oft nicht ganz reif. Die besten Beeren müssen eine Menge Sonne in sich aufsaugen. Diese Tatsache erinnert mich an manche Menschen, die, nachdem sie das Licht der Weisheit und des Mitgefühls entwickelt haben, im Alter schöner werden.

Tatsächlich sind es oft Insekten, die uns zu den besten Beeren führen, weil Insekten Süße, nicht schönes Aussehen suchen. Ich nenne Insekten den ‚Protein-Faktor’ und ich betrachte sie nicht länger als einen Feind, sondern als Wesen, die genauso wie ich ein Recht auf die Beeren haben. Also bekommen sie ein paar und ich bekomme ein paar – und alle sind wir glücklich.

Lasst die Beeren liegen, die zu Boden fallen

Es ist unvermeidlich, dass während des Pflückens Beeren zu Boden fallen. Manche sind überreif und manche, die geradezu vollkommen sind, fallen uns zwischen den Fingern hindurch. So wie uns die Beeren aus den Händen fallen, ist es auch im Leben schwierig, an jeder sich uns bietenden Gelegenheit festzuhalten. Im Leben müssen wir uns oft entscheiden, an was wir festhalten und was wir gehen lassen wollen. Es ist sinnlos, nach gefallenen Beeren zu gieren. Stattdessen lasst uns dankbar sein für die Früchte, die wir in unseren Händen halten.

Dornen bedeuten Leben

Es lässt sich nicht vermeiden, dass wir während des Beeren-Pflückens unsere Hände und Arme zerkratzen. Je mehr wir pflücken, desto mehr Kratzer gibt es. Es gibt ein paar Dinge, die wir tun können, um uns vor den Brombeersträuchern zu schützen. Wir könnten zum Beispiel ein langärmliges Hemd tragen und nur die Beeren pflücken, die in Reichweite hängen. Wie im Leben können wir die Anzahl der schmerzhaften Erfahrungen durch Voraussicht und gute Planung reduzieren. Jedoch werden wir niemals die Früchte unseres Lebens vollständig einsammeln können, wenn wir uns nicht kühn zwischen die Dornen wagen. Jeder gute Beerenpflücker wird dies bestätigen.

Belohnt euch während des Pflückens

Es gibt zwei Arten von Beerenpflückern. Diejenigen, die essen, während sie pflücken, und diejenigen, die das nicht tun. Inzwischen werdet ihr wahrscheinlich erraten haben, dass ich in die erste Gruppe falle. Aus mehreren Gründen empfehle ich, sich fortgesetzt zu belohnen. Die Sonne ist heiß, deine Hände sind verkratzt, dein Korb ist schwer, und nach etwa der ersten halben Stunde ist Beerenpflücken kein Spaß mehr, sondern Arbeit. Auch gibt es vieles, das Spaß macht und das du genießen könntest, wenn du nicht mit Pflücken beschäftigt wärst. Die Unannehmlichkeiten des Pflückens sind dadurch auszuhalten, dass man süße Beeren isst, die genau in dem Moment am besten schmecken, in dem sie vom Strauch gepflückt werden.

Ich belohne mich täglich und wöchentlich mit kleinen Vergnügungen und schiebe das Essen der Beeren nicht auf. Dadurch genieße ich den gegenwärtigen Augenblick und verschiebe eine Belohnung nicht auf eine unbekannte Zukunft. Wer kann wissen, was in der Zukunft geschieht? Gerade so wie Beeren verderben können, bevor ihr sie einfriert, kann es sein, dass eure lang erwarteten Ziele sich nicht verwirklichen werden.

Hebt etwas auf für die Zukunft

Gleichzeitig müssen wir auch einige Beeren für den Winter aufheben. Anders als die Bären, die sich während des Herbstes mit Beeren voll fressen und dann ohne Futter einen monatelangen Winterschlaf halten, kommen Menschen sehr schlecht ohne Essen zurecht. Die gepflückten Beeren aufzuessen, gibt nicht nur eurem Körper, sondern auch eurer Seele Nahrung. Jedes Mal, wenn ihr in der Dunkelheit des Winters von euren Beeren esst, erinnert ihr euch daran, wie ihr euch beim Pflücken gefühlt habt. Ihr werdet wieder von den Erinnerungen des Sommers überflutet. Um wie viel besser könnt ihr euch dann daran erinnern, welche Freude es war, die Beeren während des Pflückens zu essen. Eine Beere für dich zum Essen, während du gepflückt hast. Eine Beere übrig gelassen für die Insekten. Eine für den Korb und eine übrig gelassen für die Vögel.

Tanis Helliwell, eine Mystikerin in der modernen Welt, bringt seit über 30 Jahren spirituelles Bewusstsein in die Mainstream-Gesellschaft. Seit ihrer Kindheit sieht und hört sie auf anderen Ebenen Elementarwesen, Engel und Meisterlehrer. Tanis ist die Gründerin des International Institute for Transformation (IIT), welches Programme anbietet, um Menschen dabei zu unterstützen, bewusste Schöpfer zu werden, die mit den spirituellen Gesetzmäßigkeiten arbeiten, durch welche unsere Welt regiert wird.

Tanis ist die Autorin von Elfensommer, Elfenreise, Nicht ganz von dieser Welt, Die Hohen Wesen von Hawaii Umarmt von der Liebe, Mit der Seele arbeiten, Erkenne deine Bestimmung und Die Hohen Wesen von Hawaii.

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