Dorothy MacLean

Tanis & Dorothy MacLean-smaller

Tanis mit Dorothy MacLean

Interview mit Dorothy MacLean, Mitbegründerin von Findhorn

von Tanis Helliwell

(Auszug aus einem Gespräch von 1998)

„Der Schlüssel ist Liebe, die Handlung ist Dienen, und die Freude ist es, die Herrlichkeit, welche Gott ist, in uns und in allem zu erkennen.”

Vor 30 Jahren erzählte uns Dorothy MacLean in ihrem bekannten Buch To Hear the Angels Sing von ihrer Arbeit mit den Naturgeistern und Engeln in der Findhorngemeinschaft, die von ihr mitbegründet wurde. Inzwischen ist sie 95 Jahre alt, und nachdem sie um die ganze Welt gereist ist und unterrichtet hat, ist sie nun zurück und lebt wieder in Findhorn.

Ich hatte das Glück, Dorothy vor mehr als 30 Jahren kennenzulernen, als wir beide in Toronto lebten.

Tanis: Wie lange ist es her, dass Du nach Findhorn gezogen bist, um Deine Arbeit mit den Naturgeistern zu beginnen?

Dorothy: Eileen und Peter Caddy und ich zogen 1962 nach Findhorn, um dort das, was wir zusammen gelernt hatten, zu praktizieren. Wir hatten 10 Jahre lang bei einem schottischen Quäker studiert, der uns beibrachte, wie wir uns mit unserer inneren Göttlichkeit verbinden konnten. In einer Meditation in Findhorn wurde mir gesagt, dass ich diese Arbeit mit der Natur übernehmen sollte. Ich vermute ganz einfach, die Engel wollten mir mitteilen, dass es noch andere Wesenheiten auf dem Planeten gibt, die wir Menschen ignorieren, und dass es für die Erde wichtig ist, dass alle Wesen in Kooperation miteinander leben. Es geht nicht so sehr darum, wunderbare Gärten zu haben. Wichtig ist, wie wir die Gärten oder andere Dinge anlegen und pflegen. Ich erkannte, dass die Engel nicht wollten, dass ich mich um Hilfe an sie wandte, sondern in Richtung Gott, weil Gott ihr Bewusstsein ist. Für die Engel ist Spielen und Arbeiten das gleiche.

T: In welcher Weise passen die Elementarwesen wie zum Beispiel die Feen, Elfen und Leprechauns in dieses System?

D: Die Engel/Devas besitzen die Blaupause der gesamten Natur, und die Naturwesen sind die praktischen Arbeiter. Die drei Königreiche der Engel, Menschen und Naturgeister müssen alle zusammenarbeiten. Mir wurde zum Beispiel vor vielen Jahren gesagt, dass es wichtig sei, nicht die ausgewachsenen Bäume zu fällen, denn es gibt Aufgaben für den Planeten, die nur sie und nicht die jungen Bäume übernehmen können. Das ist _ein_ Weg, wie Menschen und Naturgeister zusammenarbeiten können.

T: Du erwähnst in Deinem Buch Choices of Love , dass Menschen mit allen vier Elementen – Erde, Luft, Feuer Wasser – arbeiten müssen, da wir aus diesen Elementen bestehen. Könntest Du bitte Deine Ideen mit uns teilen, wie wir das in unserem Alltagsleben umsetzen können?

D: Diese vier Elemente sind die ersten großen Engel, die von Gott geformt wurden. Ich denke, wir müssen die Qualitäten entwickeln, die mit diesen Elementen verbunden sind; und wir können wählen, uns auf sie einzustimmen, indem wir um Mut und Geduld bitten. Ich fand auch heraus, dass die Grundlage all dieser Qualitäten die Liebe ist. Wenn Du genug Liebe in dir hast, hast Du auch genug Mut; mit genug Liebe bist Du auch geduldig. Ich musste liebevoller werden, um mich auf die vier großen Engel einstimmen zu können. Sonst hätte ich sie vermutlich nicht verstehen können. Ich habe immer daran geglaubt, dass wir unsere Spiritualität in unser Alltagsleben hineinbringen müssen, wie zum Beispiel, sogar beim Zähneputzen an Gott zu denken. Das hilft unserer Göttlichkeit zu wachsen, so dass wir Gott an immer mehr Orten sehen – selbst die Schönheit der Natur wächst dadurch. Eileen, Peter und ich verbanden uns mit der Seele und ignorierten die Persönlichkeit. Indem wir mit unserer Seele verbunden waren, transformierte sich unsere Persönlichkeit, weil sie eingetaucht in Gottes Liebe war. Später begannen wir, direkt mit der Persönlichkeit zu arbeiten.

Erst kürzlich habe ich mit dem Seelenengel verschiedener Länder Kontakt aufgenommen. Viele dieser Engel haben Schwierigkeiten, mit der Persönlichkeit des jeweiligen Landes zu arbeiten. Der Engel von Kanada ist zum Beispiel sowohl französisch als auch englisch. Wenn wir alle das verstehen und damit übereinstimmen, gibt es in Kanada kein Problem.

T: Du sagtest in Choices of Love , dass es beim Wachstum des menschlichen Bewusstseins drei Stufen gibt. Kannst Du das genauer erläutern?

D: Die drei Stufen sind: Instinkt, Wahl und keine Wahl. Die erste Stufe ist der Instinkt; auf dieser Stufe befinden sich heute noch einige Stammeskulturen. Das wurde mir sehr klar, als ich bei den Maoris in Neuseeland war. Ich dachte, es wäre wunderbar, von ihnen akzeptiert zu werden, bis mir klar wurde, dass ich nicht einmal alleine spazieren gehen konnte. Da konnte ich es dort nicht mehr aushalten; für mich war es einfach zu sehr in sich abgeschlossen. Auf der zweiten Stufe der menschlichen Entwicklung bewegen wir uns in unser Reich der Wahlmöglichkeiten hinein. Im Westen lernen wir durch Versuch und Irrtum, durch Suchen und dadurch, dass wir Entscheidungen treffen – bis wir endlich erkennen, dass die „einzige“ Wahl die Liebe ist. Das ist die dritte Stufe der Entwicklung. Auf dieser dritten Stufe entscheiden wir uns dafür, ganz zu sein, denn die Liebe ist in uns, und sie brennt darauf, herauszukommen.

T: Kannst Du noch etwas zu unserem Planeten Gaia und zu ihrer aktuellen Evolution sagen?

D: Ich habe mich auf die Erde als auf einen Er eingestimmt. In Japan ist der Mond weiblich und die Erde ist männlich. Es gibt keinen Zweifel, dass die Erde durch einen Transformationsprozess geht, bei dem wir alle lernen, unsere Ganzheit zu erkennen. Die Seele wird auf eine neue Art und Weise geerdet. Indem wir Liebe in alles bringen, transformieren wir den Planeten in eine höhere Frequenz hinein. Wir müssen die Situation so akzeptieren, wie sie ist, und uns dagegen wehren, einfach zu sagen: „Alles geht zu schnell“ und „Ich kann das nicht“. Stress entsteht durch unsere Widerstände, das zu akzeptieren, was schon existiert. Selbst unsere Schwierigkeiten müssen wir akzeptieren. Mein größter Wunsch ist es, das zu tun, was Gott will. In der Vergangenheit habe ich versucht herauszufinden, was das ist, aber zum neuen Paradigma gehört die Erkenntnis, dass wir wählen können, und dass Gott uns nicht einfach sagt, was wir tun sollen. Es ist Zeit, dass wir aufhören, ein gehorsames Kind zu sein; stattdessen müssen wir selbst handeln. Ich habe mich entschieden, nicht zu einer speziellen Zeit zu meditieren, denn ich möchte zu jeder Zeit in jedem Moment offen sein. Es geht nur darum, immer stärker bewusst zu werden.

T: Du erwähnst in Deinem Buch das Thema des Bösen, und dass eine Person, die Du getroffen hast, überrascht war, in Hitlers Augen ein Christuslicht zu sehen. Kannst Du das etwas genauer erklären?

D: Wir bewerten alles unter dem Aspekt von _Gut oder Böse_ und vergessen dabei, dass es Widerstand, Schmerz und Schwierigkeiten gibt, damit wir erkennen können, wann wir aus der Balance geraten sind. Dies hilft uns, zur Ganzheit zu finden. Du kannst nicht das eine ohne das andere haben, Licht ohne die Dunkelheit. Unsere Betrachtungsweise ist kurzsichtig; wir denken nur an dieses eine Leben und erwarten, schon alle Antworten zu kennen. In jedem einzelnen Leben müssen wir unsere Lektionen lernen und dienen. Wie auch immer unsere Umstände sind, sie sind genau die richtigen für unsere Seele. In Indien sagt man, dass es Indras Netz gibt, in dem jeder mit jedem anderen verbunden ist. Wir ziehen automatisch das in unser Leben, was wir für unsere Entwicklung brauchen. Das heißt nicht, dass wir unsere Unterscheidungsfähigkeit verlieren, sondern, dass wir Schwierigkeiten als das sehen, wozu sie da sind – um uns zu helfen. Und wenn wir sehen, dass Menschen etwas tun, dem wir nicht zustimmen können, müssen wir realisieren, dass sie von da aus handeln, wo sie momentan stehen; wir dürfen ihnen nicht unser Wissen aufzwingen, sondern müssen sie respektieren, genau da, wo sie sind.

T: Was hast Du im Moment als Wichtigstes zu lernen, Dorothy?

D: Ich muss lernen, nicht zu urteilen. Unsere Lebensgefährten sind unsere engsten Beziehungen, doch Gott weiß genau, was wir brauchen. Die Menschen erkennen nicht, dass in ihnen ein inneres Wunder ist; das ist ein wichtiger Aspekt, auf den ich hinweisen möchte. Wir müssen unsere eigene Liebe und Kraft in uns finden und diese nicht außerhalb von uns selbst suchen.