Eine Osterbotschaft

von Tanis Helliwell

Palmsonntagsbotschaft

Heute, am Palmsonntag, fühle ich mich an die Bedeutung von Christi Leben für jeden von uns erinnert. Es ist der Tag vor etwa zweitausend Jahren, als das Volk von Jerusalem die Straßen säumte und ihn als ihren Heiland pries. Doch weniger als eine Woche später, am Karfreitag, forderten die Menschen in derselben Stadt, ihn ans Kreuz zu nageln und zu töten. Wie wankelmütig sind die Belohnungen dieser Welt und wie schnell können sie sich in eurem Leben verändern!

Botschaft der Kreuzigung

Vielleicht habt auch ihr eine solche Erfahrung gemacht, als Menschen, die ihr liebt und denen ihr vertraut, euch wegen jemand anderem verlassen haben? Vielleicht hat euch eure Arbeit in einem Jahr materiellen Erfolg in Form von Geld und Status eingebracht, nur damit ihr im nächsten Jahr die Arbeit oder das Geld verloren habt? Oder ihr findet nach Jahren des Suchens den perfekten Partner, und dann wird er euch durch Tod oder eine verheerende Krankheit entrissen. Das sind die Kreuzigungen, die die meisten von uns erleben und, falls wir ihnen entkommen sollten, so kann doch niemand dem eigenen Tod entkommen.

Wenn die Geschichte Christi hier enden würde, wie das gewöhnlich in traditionellen christlichen Kirchen porträtiert wird, dann wäre seine Geschichte nur eine von Schmerz und Leiden. Aber die bedeutende Stelle für das Ende der Geschichte ist die Himmelfahrt. Sie geschieht, wie Jesus und alle erleuchteten Lehrer sagen, durch liebende Hingabe an Gott und indem wir uns nicht an Dinge dieser Welt hängen, seien es nun weltlicher Erfolg, materielle Besitztümer oder Familie.

Botschaft der Auferstehung

Indem wir uns in diesen Prinzipien üben, werden wir eins mit dem Göttlichen und erfahren beständige Erneuerung. Das ist die Hoffnung, die uns die Osterbotschaft anbietet. Eine Hoffnung auf Wiedergeburt, Freude, Frieden und Freiheit von den Sorgen der Welt. In der Hindu-Tradition wird das dritte Lebensstadium – in das wir eintreten, wenn wir in unseren fünfziger Jahren beginnen, Falten und graue Haare zu bekommen - Vanaprastha genannt. Dieses Stadium soll sich bis zum letzten Stadium des hohen Alters in unseren Siebzigern oder Achtzigern ausdehnen, welches Sannyas genannt wird.

In unserer modernen Welt kommt es zu einem Problem, weil wir uns weigern, das Leben des Hauseigentümers und die Welt, in der wir weitere weltliche Anhaftungen ansammeln, hinter uns zu lassen – was das Garhasthya -Stadium ist. Dafür kann es eine Reihe von Gründen geben. Vielleicht wollen unsere Kinder selbst in ihren Zwanzigern noch nicht das Haus verlassen oder haben Schwierigkeiten, eine Vollzeitstelle zu finden. Wenn unsere Kinder aufgehalten werden, gilt das eventuell auch für uns. Ein zweiter Grund kann sein, dass wir das Gefühl haben, wir bräuchten mehr Geld als Garantie für einen komfortablen Ruhestand. Als dritten Grund fühlen wir uns vielleicht aufgerufen, der Welt zu dienen – und dadurch nehmen wir uns nicht genug Zeit für unsere eigene Erneuerung und für Kontemplation.

Wenn wir irgendeines dieser Probleme haben, empfinden wir uns vielleicht eher als gekreuzigt, anstatt voranzugehen zu der Kontemplation, Meditation und Kreativität, welche das dritte Stadium begleiten, das zu einer geistigen und oft körperlichen Erneuerung führt.

Was können wir also tun? Selbst wenn wir noch nicht in unseren Fünfzigern sind, können wir uns doch in unserem Leben Zeit nehmen für Kontemplation und Meditation. Tatsächlich ist es genau das, was wir tun sollten, um den Baum des göttlichen Lebens zu pflanzen, der in uns geboren werden will. Wenn wir in unseren Fünfzigern oder Sechzigern sind, ist es entscheidend, dass wir uns eine Zeit für Meditation schaffen und unsere Aufmerksamkeit auf das Geistige richten und darauf vertrauen, dass das Göttliche uns erneuern wird und uns Einsichten und Intuition schenkt, was sowohl uns als auch anderen in der Welt helfen kann.